Wichtige Fragen

Wo werden eigentlich im KV-System welche Honorare verhandelt?

Wie Ulrike Böker im Dezember 2014 nach den Honorarverhandlungen darlegte, wird grundsätzlich alles, was das KV-System betrifft, auf Bundesebene im Bewertungsausschuss verhandelt. Das beträfe sowohl die jährlichen Honorarverhandlungen – also die Höhe des Orientierungspunktwertes und der Morbiditätsrate (diese setzt sich zusammen aus der Entwicklung der Morbidität und der Demographie), die Bewertung der fachärztlichen Grundpauschale usw. als auch die Bewertung einzelner Leistungen im EBM (des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes).

Auch die Überprüfung der angemessenen Vergütung und damit die Bewertung der genehmigungspflichtigen Leistungen erfolge im Bewertungsausschuss. Dort verhandelten drei stimmberechtigte Vertreter der KBV und drei der Kassen. Wenn sich Kassen und KBV nicht einigen könnten, trete im sogenannten erweiterten Bewertungsausschuss Prof. Wasem mit zwei stimmberechtigten Beisitzern dazu.

Wie alle anderen Arztgruppen würden die Psychotherapeuten dabei in den Verhandlungen durch ihren KV-Vorstand und auf Bundesebene durch den KBV-Vorstand vertreten. Das Gremium tage unter Verschwiegenheit. Als Rechtsaufsicht nehme ein Vertreter des Bundesministeriums für Gesundheit an jeder Sitzung des Bewertungsausschusses teil. Kassen und KBV stimmten jeweils im Vorfeld mit ihren Mitgliedern ihre Strategie ab. Bei den Kassen bestünden die Mitglieder aus den verschiedenen Kassenarten. Bei der KBV seien die Landes-KVen die Mitglieder.

Wenn nun anstünde, dass die Angemessenheit der Vergütung im Bewertungsausschuss überprüft werden müsse, werde zunächst über das „Ob“ entschieden. Der erweiterte Bewertungsausschusses habe zuletzt für eine Überprüfung der Angemessenheit der Psychotherapeutischen Vergütung für das Jahr 2012 gestimmt, die eigentlich bis zum 30.6.2014 hätte zum Abschluss gekommen sein. Letztlich habe die KBV durchgesetzt, dass die Vergütung überprüft werde.

Nach dem Beschluss sei das Institut des Bewertungsausschusses mit Berechnungen beauftragt worden, die sich bis heute hinzögen. Kassen und Kven wollten beide möglichst wenig nachzahlen.

Aus diesem Grund fand in diesem Frühjahr eine mehrstufige bvvp-Kampagne statt, um Druck zu machen.

Die KVen könnten in den regionalen Verhandlungen mit den Kassen Besonderheiten aushandeln, ergänzt Ulrike Böker: Einige KVen hätten z.B. für die Gesprächsziffern die Ausbudgetierung erreicht, also keine Quotierung, sondern volle Bezahlung. In vielen KVen würden die nicht ausbudgetierten Restleistungen nicht quotiert. 100%ige Honorierung aller Leistungen könne also prinzipiell überall möglich sein. Die Realität sehe jedoch anders aus, was aber mit den Verhandlungen auf Bundesebene nichts zu tun habe.

Quelle: Nach Ulrike Böker, bvvp, 06.12.14

Was ist Integrierte Versorgung?

Die Idee: Laut Gesundheitsministerium versteht man unter der Integrierten Versorgung (IV) die fachübergreifende Versorgung von Patienten, für die Leistungsanbieter aus verschiedenen Sektoren abgestimmt zusammenarbeiten. Ärzte, Fachärzte, Krankenhäuser, Vorsorge- und Reha-Kliniken, sowie andere sogenannte Leistungserbringer wie z.B. Apotheker kooperieren eng und sorgen damit im Idealfall für den notwendigen Wissensaustausch. Hierzu schließen Krankenkassen entsprechende Verträge. Absicht des Gesetzgebers war es, die bis vor einigen Jahren stark von einander abgeschotteten Versorgungsbereiche Ambulant, Stationär und Reha stärker zu verzahnen. Für die Teilnahme an einer Integrierten Versorgungsform gewährten manche Krankenkassen ihren Versicherten einen Bonus.

Als problematisch muss man jedoch bewerten, wenn Klinikketten einseitig bevorzugt und die Ambulanten Behandlungspositionen geschwächt werden. Wachsamkeit ist daher angebracht gegenüber der Einflussnahme von Seiten der Klinikketten oder Pharmakonzerne aus rein ökonomischem Interesse. Seit 2011 wurde die Liste der potentiellen Vertragspartner in der Inegrierten Versorgung auch u.a. um pharmazeutische Unternehmen oder Hersteller von Medizinprodukten erweitert.

Quellen: http://www.bmg.bund.de/themen/krankenversicherung/zusatzleistungen-wahltarife/integrierte-versorgung.html

http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gp_specials/abc_gesundheitswesen/article/564714/integrierte-versorgung.html

http://www.bvvp.de/vvpnw/dokumente/rundbrief_bvvp_BW_05-12.pdf

Patientenrechtegesetz: Was muss ich beachten?

Am 26. Februar 2013 ist das Patientenrechtegesetz (PRG) in Kraft getreten, ein Gesetz, das nach dem Willen der Bundesregierung, die Position der Patienten vor allem gegenüber Ärzten und Krankenhäusern sowie gegenüber den Krankenkassen stärken sollte. Die Mehrzahl der Patientenrechte existierte allerdings auch schon zuvor – verstreut in ganz unterschiedlichen Gesetzen und unübersichtlich dargestellt. Die „neue“ gesetzliche Grundlage – geregelt in § 630 a – h des BGB - umfasst für Psychotherapeuten eine ganze Reihe von Pflichten – von der Informationspflicht bzgl. Dauer, Durchführung, Wirkungen und Erfolgsaussichten der Therapie angefangen über die Dokumentationspflicht jedes Tatbestandes, der für die Behandlung von Bedeutung sein könnte bis zum Recht des Patienten auf Einsichtnahme in alle Behandlungsunterlagen. Dazu kommt noch das umfassende Einsichtsrecht der Erben in die Patientenakten.

In einem Vortrag für den bvvp-Brandenburg hat Dr. Martin Klett vom bvvp-Bundesverband im November 2013 die wichtigsten Regelungen dargelegt und Psychotherapeuten Empfehlungen gegeben, wie mit Ihnen umzugehen ist.

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Was bringt das neue E-Health-Gesetz?

Das Bundeskabinett hat Ende Mai das E-Health-Gesetz beschlossen. Die elektronische Gesundheitskarte soll dabei als Schlüssel zum Datenaustausch dienen: Zwölf Jahre nach dem Beschluss zur Einführung der elektronischen Gesundheitskarte will die Regierung die Nutzung gesetzlich erzwingen. Die Daten der Patienten sollen künftig über ein Kommunikationsnetz zwischen Ärzten, Kliniken und Apotheken ausgetauscht werden, das die Bundesregierung für sicher erachtet.

Das E-Health-Gesetz sieht Anreize, Strafen und Fristen vor, um die elektronische Vernetzung voranzubringen. Geplant sind Sonderzahlungen und Sanktionen für Ärzte sowie Zeitvorgaben für die Betreibergesellschaft Gematik, die unter anderem vom Krankenkassen-Spitzenverband und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung getragen wird.

Ein Nutzen: Patienten mit mindestens drei Medikamenten sollen ab Oktober 2016 Anspruch auf einen Medikationsplan haben. Er soll riskante Nebenwirkungen eindämmen.

Ab Mitte nächsten Jahres soll in einem Zeitraum von zwei Jahren der Online-Abgleich von auf der Karte gespeicherten Daten mit den bei der Kasse vorliegenden Angaben kommen. Ab 2018 sollen dann Daten etwa über Vorerkrankungen, Implantate oder Allergien auf der eGK gespeichert werden können - Notfallärzte sollen diese sofort einsehen können.

Ärzte, die Arztbriefe sicher elektronisch übermitteln, sollen 2016 und 2017 eine Vergütung von 55 Cent pro Brief bekommen. Ab 2018 sollen elektronische Briefe dann nur noch bezahlt werden, wenn für die Übermittlung das neue Datennetz genutzt wird.

Transparenter, billiger und überhaupt besser soll damit in Zukunft das Gesundheitssystem werden. Tatsächlich bringt die Einführung der Karte bislang finanziell noch keine Einsparung und Kritiker sehen eine Fülle von Problemen.

Sie führen an, dass Schwierigkeiten in der technischen Umsetzung der Zukunftspläne und des Datenschutzes bereits Milliarden verschlungen hätten, ohne dass ein Ende der Kostenspirale absehbar sei.

Als Hauptkritikpunkt wird der unzureichende Datenschutz genannt: zum einen werden Hackerangriffe gefürchtet, zum anderen wird darauf hingewiesen, dass rund eine Million Beschäftigte im Gesundheitswesen theoretisch Zugriff zu den Patientendaten hätten, was Missbrauch sehr wahrscheinlich mache.

Die Angst wächst zudem, dass die kommerziellen Begehrlichkeiten nach der Verwertung der Daten ebenso wachsen könnten wie die Wünsche von Arbeitgebern oder Versicherungen, an die Informationen heranzukommen. Es sei daher fraglich, ob Patienten wirklich dauerhaft selbst entscheiden dürften, welche Infos sie selbst über die E-Card anderen zugänglich machen möchten.

Ärzte fürchten zudem, dass ihnen die zusätzliche elektronische Erfassung von Daten keine Entlastung sondern nur zusätzliche Arbeit bescherte. Außerdem könne die Karte nicht nur dazu genutzt werden, den Lebensstil der Versicherten zu kontrollieren, auch die Arbeit der Ärzte könnte engmaschiger überwacht werden.

Quellen:

http://www.gesundheit-aktiv.de/kompetent-entscheiden/krankenkassen/ecard-die-elektronische-gesundheitskarte.html#neue-regelungen-fuer-versicherte-ohne-ecard

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/elektronische-gesundheitskarte-das-bringt-das-neue-e-health-gesetz/11832910.html

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